TraumaSCIENTIA

Die Traumabehandlung ist zwischenzeitlich im therapeutischen Angebot gut etabliert, und die Methoden sind entsprechend ausdifferenziert, die Wirksamkeit gut belegt. Eine theoretische Ausformulierung der Wirkmechanismen und der dahinterliegenden Strukturen ist noch im Pionierstadium. Darüber hinaus ist eine Einbettung in eine allgemeine Erkenntnistheorie und eine sich daraus ergebenden Wissenschaftstheorie noch nicht gegeben. Daraus resultiert unser Bedürfnis, sowohl Grundlagenforschung zu betreiben, als auch unsere Aktivitäten in allen Bereichen formativ zu evaluieren.

Grundlagenforschung

Forschung zur Definition, Untersuchung und Behandlung von Traumaphänomenen, speziell im Bereich dissoziativer Störungen. Diese Hintergrundtheorie bietet den Rahmen für die Evaluation der verschiedenen Präventionsprojekte und Behandlungsmethoden.

Mit Franz Brentanos Werken, wie z.B. Psychologie vom empirischen Standpunkt1, Untersuchungen zur Sinnespsychologie2, wurden einige der letzten großen Grundlegungen der Psychologie aus philosophischer Perspektive geschaffen. Aus seinen Schülergenerationen gingen in weiterer Folge u.a. sowohl die philosophischen/psychologischen Theorien Alexius von Meinongs, die Gestaltpsychologie Christian von Ehrenfels als auch die Phänomenologie Edmund Husserls hervor.

Wiewohl auch Sigmund Freud zu seinen Schülern gezählt werden könnte, gehen in der Nachfolge Brentanos Philosophie, Psychologie und Psychotherapie/Psychiatrie im Prinzip getrennte Wege mit je eigenen Konzeptionen von Wissenschaftlichkeit und Methodologie. Gegen Ende des 20. Jhs. allerdings, mit dem Aufkommen der Hirnforschung und dem damit verbundenen Fokus der Betrachtung und Untersuchung psychischer Gesetzmäßigkeiten, ergaben sich zwischen Philosophie, Psychologie, Neurowissenschaften sowie Psycho- und Traumatherapie neue Felder der Zusammenarbeit.

Im Hinblick auf eine derartige fruchtbare Durchdringung von Philosophie und Psychologie sollen in der gegenwärtigen Forschungsarbeit des UNUM institute ausgezeichnete Theorien zur Dissoziation untersucht und auf einen Kern von Aussagen reduziert werden, die auf ihre Übersetzbarkeit in formale Sprachen hin überprüft werden sollen. Ziel des Vorhabens ist die Anwendbarkeit des Methodenapparats der Wissenschaftstheorie sowie höchstmögliche Klarheit im Sinne von Explikationsversuchen von Dissoziationsbegriffen.

1Brentano, F., Psychologie vom empirischen Standpunkt, 3 Bde, Leipzig 1874.
2Ders., Untersuchungen zur Sinnespsychologie, Leipzig 1907.

Team:  Dr. Roland Kastler, Ellert R.S. Nijenhuis Ph.D., Mag.a Christine Gruber

Evaluation

Interne Begleitforschung, realisiert als formative Evaluation, bedeutet bereits während der Entwicklung und Implementierung von Präventions- und Behandlungskonzepten und -methoden eine Qualitätssicherung im Sinne einer Prozessbegleitung, die größtmögliche Offenheit und Lernfähigkeit zu gewährleisten. Die Umsetzung von Evaluation erfolgt theoriegestützt (entsprechend der geltenden Leitlinien der DeGEval) – in enger Zusammenarbeit mit EntwicklerInnen und AnwenderInnen, unter Anwendung unterschiedlicher, abgestimmter Methoden (aus dem Set der Grounded Theory, teilstrukturierte und freie Interviews, ExpertInneninterviews, teilnehmende Beobachtung, Feedback-Bögen etc.).

Team: Mag.a Christine Gruber, Ulrike Kobrna BSc, Mag.a Alice Eher